Prozesskarte

Überblick

Der Process Map-Rechner erstellt eine interaktive visuelle Darstellung, wie Fälle durch Ihren Prozess fließen. Aktivitäten werden als Knoten und Übergänge zwischen Aktivitäten als Kanten angezeigt, wobei Häufigkeiten und Leistungskennzahlen über die Visualisierung gelegt werden. Dies bietet ein intuitives, auf einen Blick verständliches Bild Ihres tatsächlichen Prozessablaufs im Vergleich zu Ihrem vorgesehenen Prozessdesign.

Die Prozesskarte identifiziert automatisch alle einzigartigen Aktivitäten, berechnet wie häufig jeder Übergang auftritt, und hebt die häufigsten Prozessvarianten hervor. Im Gegensatz zu statischen Prozessdiagrammen ermöglicht die interaktive Karte, verschiedene Prozesspfade zu erkunden, in spezifische Übergänge hineinzuzoomen und die Ansicht zu filtern, um sich auf relevante Muster zu konzentrieren.

Häufige Anwendungsfälle

  • Visualisierung des tatsächlichen Prozessablaufs, um zu verstehen, wie Arbeit durch Ihre Organisation fließt
  • Engpässe identifizieren, indem Sie untersuchen, wo Fälle sich verlangsamen oder ansammeln
  • Prozessabweichungen und nicht standardisierte Workflows entdecken, die Kontrollen umgehen
  • Tatsächliche Prozessa usführung mit dem vorgesehenen Prozessdesign vergleichen
  • Sich auf hochfrequente Pfade konzentrieren, um Verbesserungsmaßnahmen zu priorisieren
  • Nacharbeitschleifen erkunden und ermitteln, wo Fälle mehrfach durch Aktivitäten laufen
  • Prozessbefunde mit klaren, visuellen Darstellungen Stakeholdern präsentieren

Einstellungen

Standardanzahl der Top-Varianten: Legen Sie fest, wie viele der häufigsten Prozessvarianten beim initialen Laden der Karte hervorgehoben werden sollen. Diese Einstellung hilft, komplexe Prozesse zu vereinfachen, indem sie sich auf die Pfade konzentriert, die den Großteil der Fälle abdecken.

Der Standardwert sind 5 Varianten, was typischerweise eine gute Balance zwischen Vollständigkeit und Übersichtlichkeit darstellt. Sie können diesen Wert für Executive-Dashboards, die eine einfache Ansicht benötigen, auf eine niedrigere Zahl (1-3) oder für detaillierte Prozessanalysen auf eine höhere Zahl (10-20) einstellen. Nutzer können diesen Wert nach dem Laden interaktiv in der Karte anpassen.

Legacy Map-Modus: Eine optionale Einstellung zur Wahrung der Konsistenz mit älteren historischen Notebooks. Wenn aktiviert, verwendet die Visualisierung ältere Render-Algorithmen und Stile. Üblicherweise ist diese Einstellung bei neuen Analysen deaktiviert (false).

Beispiele

Beispiel 1: Engpässe bei der Genehmigung von Bestellungen entdecken

Szenario: Ihr Beschaffungsteam berichtet, dass Bestellungen zu lange für die Genehmigung benötigen, aber es ist unklar, wo die Verzögerungen auftreten. Sie möchten den Genehmigungsprozess visualisieren, um Engpassaktivitäten zu identifizieren.

Einstellungen:

  • Standardanzahl der Top-Varianten: 5
  • Legacy Map-Modus: false

Ausgabe:

Die Prozesskarte zeigt Ihren Bestellfluss mit Knoten für Aktivitäten und Kanten für Übergänge. Die Visualisierung zeigt:

  • Create PO -> Submit for Approval (1.847 Fälle, durchschnittlich 2 Stunden)
  • Submit for Approval -> Manager Review (1.847 Fälle, durchschnittlich 3 Tage – rot hervorgehoben als langsam)
  • Manager Review -> Finance Review (1.245 Fälle, durchschnittlich 1 Tag)
  • Manager Review -> Reject (602 Fälle, durchschnittlich 4 Stunden)
  • Finance Review -> Approve (1.098 Fälle, durchschnittlich 2 Stunden)
  • Finance Review -> Senior Manager Review (147 Fälle, durchschnittlich 5 Tage – rot hervorgehoben)

Die Karte zeigt die Top 5 Varianten, wobei der Hauptpfad (Create -> Submit -> Manager -> Finance -> Approve) 59 % aller Fälle ausmacht.

Erkenntnisse: Die Visualisierung identifiziert sofort zwei Engpassaktivitäten: Manager Review dauert im Durchschnitt 3 Tage, Senior Manager Review 5 Tage. Der Übergang von Submit for Approval zu Manager Review ist rot markiert, was anzeigt, dass dieser maßgeblich zur Gesamtdauer beiträgt. Außerdem werden 32 % der Fälle (602 von 1.847) bei Manager Review abgelehnt, was auf schlechte PO-Qualität oder unklare Genehmigungskriterien hindeutet. Durch Filterung der Karte, um nur abgelehnte Fälle anzuzeigen, können Sie untersuchen, was diese von genehmigten Fällen unterscheidet.

Beispiel 2: Visualisierung der Compliance bei der Rechnungsbearbeitung

Szenario: Ihre Finanzabteilung muss für Rechnungszahlungen einen Drei-Wege-Abgleich durchführen, vermutet jedoch, dass einige Rechnungen diese Kontrolle umgehen. Sie möchten den tatsächlichen Prozessfluss visualisieren, um herauszufinden, wo die Compliance versagt.

Einstellungen:

  • Standardanzahl der Top-Varianten: 8
  • Legacy Map-Modus: false

Ausgabe:

Die Prozesskarte zeigt Ihre Rechnungsbearbeitung mit mehreren abzweigenden Pfaden:

  • Standard-konformer Pfad (68 % der Fälle): Receive Invoice -> Match PO -> Match Receipt -> Approve -> Pay
  • Nicht-konformer Pfad 1 (18 % der Fälle): Receive Invoice -> Match PO -> Approve -> Pay (Übergang zum Abgleich mit dem Beleg entfällt)
  • Nicht-konformer Pfad 2 (8 % der Fälle): Receive Invoice -> Approve -> Pay (beide Abgleich-Schritte entfallen)
  • Nacharbeits-Pfad (6 % der Fälle): Receive Invoice -> Match PO -> Match Receipt -> Rework -> Match PO -> Approve -> Pay

Die Kantendicke zeigt die Häufigkeit an, sodass die nicht-konformen Pfade als deutliche Abzweigungen vom Hauptfluss sichtbar sind.

Erkenntnisse: Nur 68 % der Rechnungen folgen dem konformen Drei-Wege-Abgleich. Die Karte zeigt klar, wo die Compliance versagt – 26 % der Rechnungen umgehen entweder den Belegabgleich oder beide Abgleichschritte komplett. Durch Klicken auf die nicht-konformen Pfade können Sie ermitteln, welche Abteilungen oder Lieferanten am häufigsten mit diesen Verstößen in Verbindung stehen. Die Nacharbeitschleife, die 6 % der Fälle betrifft, weist auf Datenqualitätsprobleme bei Bestellungen oder Belegdokumentation hin, die untersucht werden sollten.

Beispiel 3: Vereinfachung eines komplexen Prozesses für die Geschäftsleitung

Szenario: Sie müssen Ihren Kunden-Onboarding-Prozess vor Führungskräften präsentieren, die eine hochrangige Übersicht ohne überwältigende Details wünschen. Ihr Prozess hat 87 verschiedene Varianten.

Einstellungen:

  • Standardanzahl der Top-Varianten: 2
  • Legacy Map-Modus: false

Ausgabe:

Die Prozesskarte zeigt nur die zwei häufigsten Pfade, die zusammen 73 % aller Fälle ausmachen:

  • Variante 1 (48 %): Application -> Credit Check -> Document Upload -> Review -> Approve -> Account Setup
  • Variante 2 (25 %): Application -> Credit Check -> Document Upload -> Review -> Request Additional Info -> Document Upload -> Review -> Approve -> Account Setup

Die vereinfachte Ansicht beseitigt die visuelle Unübersichtlichkeit von 85 weiteren Varianten und konzentriert sich auf die Pfade, die fast drei Viertel aller Onboardings repräsentieren.

Erkenntnisse: Die saubere Zwei-Varianten-Ansicht eignet sich ideal für die Geschäftsleitung. Sie zeigt, dass knapp die Hälfte der Kunden reibungslos durch das Onboarding geht, während etwa ein Viertel zusätzliche Informationen benötigt. Die Karte macht sofort sichtbar, wo die Schleife mit der Anforderung zusätzlicher Informationen auftritt, was der Führungsebene hilft, die Auswirkungen unvollständiger Erstanträge zu verstehen. Während der Präsentation kann die Anzahl sichtbarer Varianten interaktiv erhöht werden, um Randfälle bei Fragen zu erkunden.

Beispiel 4: Analyse regionaler Prozessvariationen

Szenario: Ihre Organisation hat fünf regionale Niederlassungen, die alle denselben Auftragsabwicklungsprozess einhalten sollten, aber Sie vermuten erhebliche Abweichungen in der Umsetzung. Sie möchten Prozesskarten für die Regionen vergleichen.

Einstellungen:

  • Fünf separate Prozesskarten-Blöcke erstellen, jeweils mit einem Regionsfilter vorangestellt
  • Standardanzahl der Top-Varianten: 10 pro Region
  • Legacy Map-Modus: false

Ausgabe:

Region A Prozesskarte:

  • 12 einzigartige Varianten sichtbar
  • Top-Variante repräsentiert 72 % der Fälle
  • Standardpfad dominiert die Visualisierung
  • Durchschnittliche Falldauer: 4,2 Tage

Region B Prozesskarte:

  • 43 einzigartige Varianten sichtbar
  • Top-Variante repräsentiert nur 31 % der Fälle
  • Viele abzweigende Pfade bilden ein komplexes Netz
  • Durchschnittliche Falldauer: 8,7 Tage

Regionen C, D und E liegen zwischen diesen Extremen.

Erkenntnisse: Der visuelle Vergleich zeigt sofort, dass Region B im Vergleich zu Region A keine Prozessstandardisierung aufweist. Die komplexe Prozesskarte mit vielen Varianten in Region B korreliert direkt mit der längeren durchschnittlichen Dauer von 8,7 im Vergleich zu 4,2 Tagen. Dies legt nahe, dass der standardisierte Ansatz von Region A untersucht und möglicherweise von anderen Regionen übernommen werden sollte. Sie können durch die Varianten in Region B klicken, um zu verstehen, was ihre Komplexität verursacht – ob es legitime Unterschiede bei Kundentypen sind oder ob Schulungslücken oder lokale Umgehungen adressiert werden müssen.

Beispiel 5: Identifizierung von Nacharbeitsmustern in der Qualitätskontrolle

Szenario: Ihr Fertigungs-Qualitätskontrollprozess zeigt große Schwankungen bei der Falldauer, und Sie vermuten, dass Nacharbeitschleifen die Ursache sind. Sie möchten visualisieren, wo Nacharbeiten auftreten und wie häufig.

Einstellungen:

  • Standardanzahl der Top-Varianten: 15
  • Legacy Map-Modus: false

Ausgabe:

Die Prozesskarte zeigt Ihren Qualitätskontrollfluss mit mehreren kreisförmigen Mustern, die Nacharbeiten anzeigen:

  • Standardpfad (42 %): Inspect -> Pass -> Package -> Ship (durchschnittlich 1,2 Tage)
  • Einfache Nacharbeit (28 %): Inspect -> Fail -> Repair -> Inspect -> Pass -> Package -> Ship (durchschnittlich 3,4 Tage)
  • Doppelte Nacharbeit (15 %): Inspect -> Fail -> Repair -> Inspect -> Fail -> Repair -> Inspect -> Pass -> Package -> Ship (durchschnittlich 5,8 Tage)
  • Dreifache Nacharbeit (8 %): Inspect -> Fail -> Repair -> Inspect -> Fail -> Repair -> Inspect -> Fail -> Repair -> Inspect -> Pass -> Package -> Ship (durchschnittlich 8,9 Tage)

Die kreisförmigen Kanten von Inspect zurück zu Repair sind optisch hervorgehoben, mit Kantentexten, die zeigen, wie oft Fälle durch jeden Zyklus laufen.

Erkenntnisse: Die Prozesskarte macht Nacharbeitschleifen durch die kreisförmigen Muster offensichtlich. Nur 42 % der Fälle bestehen die Inspektion beim ersten Mal, das heißt 58 % benötigen mindestens einen Reparaturzyklus. Die Dauer steigt fast linear mit jedem Nacharbeitszyklus (1,2 -> 3,4 -> 5,8 -> 8,9 Tage). Durch Klicken auf die Inspect -> Fail-Kante können Sie detailliert sehen, welche Defekttypen oder Produktkategorien am häufigsten mit Fehlern assoziiert sind, was hilft, die Ursachenanalyse für die wichtigsten Nacharbeitsgründe zu fokussieren.

Ausgabe

Der Process Map-Rechner generiert eine interaktive Visualisierung mit folgenden Funktionen:

Visuelle Elemente:

  • Knoten: Repräsentieren Aktivitäten in Ihrem Prozess, dimensioniert nach Häufigkeit
  • Kanten: Zeigen Übergänge zwischen Aktivitäten, mit Dicke entsprechend der Anzahl der Fälle pro Pfad
  • Farben: Hervorhebung der Prozessleistung, rot für langsame und grün für schnelle Übergänge
  • Varianten-Hervorhebung: Die häufigsten Prozesspfade werden je nach Einstellung der Standardanzahl der Top-Varianten betont

Interaktive Funktionen:

  • Zoomen und schwenken: Navigation in komplexen Prozesskarten mit Maus oder Touch-Steuerung
  • Klick auf Knoten: Detaillierte Statistiken zu einer spezifischen Aktivität anzeigen, darunter Häufigkeit, durchschnittliche Dauer und Ressourcen
  • Klick auf Kanten: Spezifische Übergänge zwischen Aktivitäten untersuchen, inklusive Fallzahlen und Zeitverteilungen
  • Varianten filtern: Anzahl sichtbarer Varianten interaktiv anpassen, um die Ansicht zu vereinfachen oder zu erweitern
  • Zu Fällen drilldownen: Von jedem Knoten oder jeder Kante aus die spezifischen Fälle anzeigen, die diesen Pfad durchlaufen haben
  • Export: Visualisierung der Prozesskarte als Bild speichern für Präsentationen oder Dokumentationen

Angezeigte Metriken:

  • Fallzahlen zu jeder Aktivität und jedem Übergang
  • Prozentsätze, die zeigen, welcher Anteil der Fälle jeden Pfad folgt
  • Durchschnittliche Dauern für Übergänge zwischen Aktivitäten
  • Leistungsindikatoren, die Engpässe und Verzögerungen aufzeigen

Die Prozesskarte integriert sich nahtlos mit Filtern, sodass Sie gezielte Ansichten erstellen können, indem Sie zuerst auf spezifische Falluntergruppen filtern (zum Beispiel Fälle aus einem bestimmten Zeitraum, einer Abteilung oder mit bestimmtem Ergebnis) und dann die Prozesskarte für diese gefilterte Ansicht generieren.


Diese Dokumentation ist Teil der mindzie Studio Process Mining Plattform.